Lucas Nestler verändert mit seinen Streetbrandings städtische Außenräume mit auffallenden Reverse Graffitis. Dabei werden Texte und Motive auf verschmutzte Wände, Straßen, Mauern, Brücken etc. aufgetragen: Eine Schablone und ein mobiler Hochdruckreiniger säubern Teile einer Fläche, wodurch ein Kontrast für eine Werbebotschaft entsteht.
Diese Methode wird auch Reverse Graffiti genannt, ist jedoch im Gegensatz zum Graffiti 100% legal und dazu noch umweltfreundlich und kreativ.
"Nachhaltig ist Streetbranding nicht nur, weil die Werbewirkung über mehrere Monate bzw. Jahre bestehen bleibt, sondern auch im Bezug auf die Umwelt, da lediglich Wasser für die Erstellung benötigt wird und somit keine schädlichen Abfallstoffe entstehen."
mygraz: Was ist das Besondere an Streetbrandings?
Lucas Nestler: Das besondere am Streetbranding ist die Art wie man es für kreatives und nachhaltiges Marketing einsetzen kann und dabei noch ein Maximum an Aufmerksamkeit und Kosteneffizienz erreicht. Wir werden heute in jeder Sekunde und an jedem Ort von klassischer, offensichtlicher Werbung überflutet, was bewirkt, dass keiner mehr auf diese Art der Werbung reagiert und sie somit im besten Falle noch für die Markenstärkung bei größeren Unternehmen eingesetzt werden kann. Für kleine Unternehmen ist Plakatwerbung in Graz oder ein kleiner Fernsehclip wohl kaum erschwinglich. Mit Streetbranding kann dagegen jeder für sehr kleines Geld viel Aufmerksamkeit erreichen. Nachhaltig ist Streetbranding nicht nur, weil die Werbewirkung über mehrere Monate bzw. Jahre bestehen bleibt, sondern auch im Bezug auf die Umwelt, da lediglich Wasser für die Erstellung benötigt wird und somit keine schädlichen Abfallstoffe entstehen.
"Das ist echtes Guerilla-Marketing!"
mygraz: Was war das ausgefallenste Streetbranding, das Du je gemacht hast?
Lucas Nestler: Von den Motiven her hatten wir bisher eigentlich immer recht klassische Schriftzüge und Muster. Von der Umsetzung her, gab es Anfang Juli dieses Jahres ein spannendes Projekt bei dem wir Nachts um 3:00 Uhr in hüfttiefem Wasser durch den Traunsee wateten um einige Brandings von außen an der Kaimauer anzubringen. "Das ist echtes Guerilla-Marketing!"
mygraz: Welche Straße in Graz hast Du am liebsten?
Lucas Nestler: Die Wiener Straße ist ein Paradebeispiel für eine streetbrandingfähige Gegend. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens sind die Straßenbegrenzungen und sonstige Waschbetonwände stark verdreckt und somit ideal geeignet für Streetbranding. Weiters kann man hier die eigentliche Sinnhaftigkeit des Streetbrandings, welche ja darin besteht eine Fläche zu "säubern", ideal ausspielen. Wenn wir hier einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sollten und die von uns gebrandeten Stellen wieder neutral reinigen müssten, wäre das genau dass, was wir damit erreichen wollen, nämlich saubere Straßen und die Stärkung des Gefühles bei der Bevölkerung wie schön und sauber unsere Erde ohne Umweltverschmutzung sein könnte.
mygraz: Welches Streetbranding würdest Du Graz am liebsten verpassen? Welches Streetbranding passt zur Stadt Graz?
Lucas Nestler: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir diese Frage noch nie für Graz direkt gestellt habe. Allerdings planen wir schon seit langem eine große Aktion welche die riesigen Erdbefestigungswände an der Autobahn richtung Wien betrifft.
Diese Begrenzungen sind Tag für Tag den Abgasen und dem Ruß von tausenden Kraftfahrzeugen ausgesetzt und im Laufe der Jahre dementsprechend verdreckt worden. Es ist kein schöner Anblick den man jedoch mit einem schönen Streetbranding zu einem machen könnte. Da es sich dabei jedoch um mehrere hundert Quadratmeter handelt, ist hier Geduld angesagt. Schauen wir mal was die Zukunft bringt...
mygraz: Warum Graz?
Lucas Nestler: Ich wohne ja nicht direkt in Graz, sondern etwas außerhab. Warum Graz (bzw. Graz Umgebung)? - Weil es die schönste Stadt/Gegend der Welt ist. Das Klima ist perfekt, die Leute sind verträglich und das Leben macht hier einfach Spaß. Wenn ich meinen Wohnort zugunsten des Streetbrandings wechseln müsste, würde ich vermutlich nach Deutschland ins Ruhrgebiet ziehen.
mygraz: Was ist das beste an Graz?
Lucas Nestler: Das beste an Graz ist eindeutig die Lage und der nicht so übertriebene Stadtcharakter. Einfach eine Weltstadt, die von der Mentalität her doch eher einem kleinen Dorf ähnelt. Und natürlich ist Graz nicht zu toppen was Veranstaltungen und das Unterhaltungsangebot angeht. Es ist einfach immer was los.
mygraz: Welcher Ort ist besonders „Dein Graz“? Wo fühlst Du Dich besonders wohl, wo bist Du gerne in Graz? Bei welchen Orten würdest Du sagen: "Das ist mein Graz!"?
Lucas Nestler: Auch wenn ich nicht mehr ganz so oft in Graz wie früher bin, ist es ganz klar der Hauptplatz und die Umgebung. Das weltbeste Eis, das coolste Pub (Flann O'Brien) und nicht zu letzt mein Steuerberater :-), mehr braucht man nicht zum Leben!
Lucas Nestler ist Geschäftsführer bei Streetbranding.at Mit Lucas in Kontakt treten: e-mail: info@streetbranding.at
web: www.streetbranding.at
skype: lucas.nestler

Der Haubentaucher. Sittich of Design. Werbung und Kreativität, Speis und Trank, Fußball und natürlich Graz.
Wolfgang Kühnelt ist "Der Haubentaucher." Weiters betreibt er mit Pretty Commercial ein Werbeunternehmen, schreibt für den Falter, ist Buchautor und Restaurantkritiker.
mygraz: "Der Haubentaucher", weil...?
Wolfgang Kühnelt: Die Geschichte begann mit dem Kulturmagazin Graz-derzeit, das ich 1998/99 leitete. Dann drehte uns der städtische Tourismus die Förderung ab und wir mussten das Heft aufgeben.
Die erfolgreichste Geschichte der letzten beiden Jahre war eine Fake-Story über Haubentaucher und ihre Bedrohung gewesen. So viele seltsame Reaktionen hatten wir sonst nie.
"Da es uns seit dem Jahr 2000 ohne Unterbrechung gibt, müssten wir eigentlich der älteste steirische Kulturblog sein."
Dann kam der Gedanke: Wir würden trotzdem weiter gern über (Pop-)Kultur in Graz/Wien berichten, haben aber kein Geld mehr - also online gehen. Und irgendwann fiel dann der Name, der sich als recht einzigartig erwiesen hat. Haubentaucher gilt ja oft auch als Schimpfwort für Ahnungslose - und diese kleine Selbstironie mögen wir an dem Namen. Die Idee war dann, unsere Lieblingssachen zu hypen und damit auch der steirischen Kulturlandschaft zuweilen einen kleinen Support zu erweisen. Da es uns seit dem Jahr 2000 ohne Unterbrechung gibt, müssten wir eigentlich der älteste steirische Kulturblog sein. Mittlerweile findet man uns auch auf Facebook und Twitter.
mygraz: Mit "Speis und Trank - im Gasthaus mit dem Haubentaucher" gibt es auch einen steirischen Beisl-Blog von Dir.
- Wo lässt es sich in Graz besonders gut essen? - Was ist Dein Gastro Geheimtipp für Graz?
Wolfgang Kühnelt: In Graz lässt es sich kaum wo besonders gut essen. Besser ein Auto nehmen und 20-30 Kilometer raus aufs Land fahren. Das ist auch die Kernthese meines Buches "Angerichtet", erschienen 2010 bei Leykam. "Ich persönlich mag den Greiner in der Grabenstraße, den Hofkeller - aber auch den Würstel Hannes in der Elisabethinergasse." Ansonsten hängt es von den Wünschen und dem Budget ab. Ich persönlich mag den Greiner in der Grabenstraße, den Hofkeller - aber auch den Würstel Hannes in der Elisabethinergasse. Geheimtipp ändert sich ständig- und das größte Problem der Grazer Gastronomie ist die fehlende Konstanz. Kaum empfehle ich was, verschlechtert es sich in Windeseile. Wird hoffentlich nicht an mir liegen. Jüngstes Beispiel: Siam Thai Imbiss. Von der Keplerstraße ein paar Straßen weiter übersiedelt. Preise fast verdoppelt. Qualität verschlechtert. Mahlzeit!
mygraz: Beim Haubentaucher findet sich auch recht viel über Fußball. Sturm oder GAK?
Wolfgang Kühnelt: GAK. Und Rayo Vallecano de Madrid.
mygraz: Wo kann man in Graz am besten Fußball spielen?
Wolfgang Kühnelt: Wenn man Kunstrasen mag: Landesturnhalle. Sonst schätze ich sehr den Körnerplatz bei der Schönaugasse, die Gruabn (trotz ihrer Vergangenheit) und den Platz in Gösting. Für reine Hobbykicks gibt es leider immer weniger freie Flächen, wo man ohne Miete spielen kann. Am ehesten rund um die Spielplätze (Theodor-Körner-Straße, Harmsdorfgasse) oder im Stadtpark bzw. im Augarten.

Graz. Sittich of Design.
mygraz: Mit Pretty Commercial betreibst Du auch ein Grazer Werbeunternehmen.
Welcher Werbeslogan würde zu Graz passen?
Wolfgang Kühnelt: Den bösesten Slogan hat Thomas Bernhard verfasst: "In Graz muss man nicht gewesen sein." Ich glaube aber, das stimmt heute nicht mehr. Gemeinsam mit der Agentur Taska hab ich eine neue Kampagne entwickelt, die heißt: "Graz. Sittich of Design."
"wie kreativ ist Graz wirklich?"
mygraz: Für die Zeitung Falter schreibst Du auch Artikel.
Welches Thema kommt in Graz Deiner Meinung zu wenig zur Geltung?
Wolfgang Kühnelt: Da gibt es vieles. Der schwindende öffentliche Raum. Jede Gstättn wird zugebaut. Der Niedergang der Architektur. Gerade größere Wohnbauten werden einfach oft seelenlos hingeklotzt. Diese Stadt hat außerhalb der Innenstadt keinen Stil mehr. Über Wirtschaft würde ich auch gern mehr lesen (z.b. wie kreativ ist Graz wirklich? wie geht es den vielen Kleinstunternehmen, die entstehen?). Über die Kärntnerstraße, die vielen Besucher einen ersten echt herben Eindruck vermittelt. Über die Situation der Kulturschaffenden und "Intellektuellen" (es gibt kaum mehr Buchverlage, es gibt kaum mehr Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt sind Korso und Frontal verstorben, ...). Und vor allem über junge Leute, die in Graz bleiben und hier was bewegen wollen, statt einfach so wie früher regelmäßig nach Wien abzuwandern.
mygraz: Warum Graz?
Wolfgang Kühnelt: Meine Großeltern waren alle aus Graz, ich bin hier teilweise aufgewachsen. Es hat mir immer schon gefallen, auch wenn es früher oft langweilig war im Vergleich zu Wien oder deutschen Großstädten. Seit 1986 lebe ich (mit einem Jahr time-out in Madrid) in Graz und finde es sehr angenehm hier. Übersichtlich, relativ viel Kultur, wenig Stress. Man kann mit dem Rad alle wichtigen Strecken erledigen, meine Kinder wachsen weder als abgebrühte Großstadtmenschen noch als naive Landeier auf. Mein gesamtes berufliches und privates Netzwerk ist hier, ich könnte eigentlich gar nicht mehr weg - und wenn, dann müsste ich wirklich komplett von vorne beginnen. Aber: Ich finde es wichtig, dass man auch zwischendurch was anderes sieht, um die blinden Flecken von Graz zu erkennen. Madrid zum Beispiel ist einfach eine große, arge, wahnsinnig lebendige Stadt. Außerdem möchte ich endlich mal nach Helsinki.
mygraz: Was ist das beste an Graz?
Wolfgang Kühnelt: Die Übersichtlichkeit und die grundsätzlich freundlichen kommunikativen Menschen. Schlecht finde ich übrigens die weit verbreitete Spießigkeit, die ganz schön dominant sein kann.
mygraz: Welcher Ort ist besonders „Dein Graz“? Wo fühlst Du Dich besonders wohl, wo bist Du gerne in Graz? Bei welchen Orten würdest Du sagen: "Das ist mein Graz!"?
Wolfgang Kühnelt: Aus alter Verbundenheit: Die Grottenbahn. Da war ich als Kind oft mit meinem Opa und heut geh ich mit meiner Jüngsten immer noch gern hin. Dann Muckis Weinkeller am Franziskanerplatz, auch wenn zuletzt die Küche nicht mehr gut war. Das Kaffee Weitzer. Mein Haus in St. Peter und mein neues Büro in der Färbergasse.

Wolfgang Kühnelt im Netz:
Pretty Commercial - Kommunikation Der Haubentaucher Speis und TrankIm Gasthaus mit dem Haubentaucher. Der steirische Beisl-Blog.