Andreas Weirer ist einer der besten 3D Zeichner von Graz und erstellt mit seinem Architekturvisualisierungsbüro Planrender Schaubildvisualisierungen basierend auf 3D-Computermodellen (Renderings) für den Architektur und Immobilienbereich.
mygraz: Was ist das besondere an Rendering?
Planrender/Andreas Weirer: Mein Team und ich versuchen mit Hilfe des Computer Bilder zu erzeugen, um dem Endkunden die Visionen unseres Klienten darzustellen. Noch bevor ein Objekt in die Realität umgesetzt wird, kann man, mit Hilfe des perfekten 3D-Modells, Einblicke in den später erlebbaren Raum verständlich übermitteln. Für mich selbst besteht auch der Reiz dem Entwerfenden diverse Optimierungen seiner Vorstellung darzustellen, welche dann großteils auch getätigt werden.
Gerade jetzt entwickeln wir einen eigenständigen Terminal der mittels Augumented Reality gesteuert wird. Wir werden diesen Terminal für Front Office Bereiche einsetzen.
mygraz: Bei wie vielen Architekturwettbewerben hast Du mittlerweile schon mitgemacht?
Planrender/Andreas Weirer: So genau kann ich das spontan nicht sagen. Ich nehme an es waren bisher als Professionist ca. 30 -40. Als studentischer Mitarbeiter in österreichischen Architekturbüros waren es ca. ein Dutzend.
mygraz: Wenn Du Dir ein Gebäude oder ein Areal in Graz frei aussuchen könntest - welches Gebäude oder Areal würdest Du gerne visualisieren?
Planrender/Andreas Weirer: Der Reiz lag schon immer an einer Visualisierung von der am Ruckerlberg abfallenden Rudolfstraße (auf höhe Altersheim) in Blickrichtung Herz-Jesu Kirche. Hier gibt es das ganze Jahr über die wunderbarsten Sonnenuntergänge und Licht-Schattenspiele. Im Hintergrund verschwindet diffus das Grazer Umland. Einer der schönsten Plätze der Stadt zum sinnieren.
mygraz: Was war bisher Dein spannendster Grazer Architekturwettbewerb?
Planrender/Andreas Weirer: Spannend ist wohl falsch gesagt. Ich habe viele Wettbewerbe gemacht, die alle für den Klienten sehr wichtig waren, da diese in all Ihre externen Mitarbeiter hohe Summen an Geld investieren um definitiv siegen zu können. Fordernd waren für mich immer Wettbewerbe, in denen ich meine Impressionen von Architektur und Bildkomposition Ausdruck verleihen konnte. Aber der für mich eindrucksvollste Wettbewerb, bei dem ich vom ersten Strich bis zur Plakatabgabe der zweiten Runde dabei war, war der Wettbewerb für das neue Bad Eggenberg für GRAZT Architektur. Leider konnten wir diesen damals nicht gewinnen.
mygraz: Welche Bereiche außer Architektur, Rendering und 3D findest Du sonst noch interessant?
Planrender/Andreas Weirer: Eigentlich beschäftige ich mich 16/6* [*16h/Tag, 6Tage die Woche] mit der Darstellung von Objekten. Ein weiteres Hobby ist die Analyse von Architekturfotografie in Fachzeitschriften. Ich versuche mich auf den Fotografen einzulassen und die Darstellung in mich aufzunehmen.
Wenn ich in Bewegung bin konzentriere ich mich auf Lichtbrechungen und reale Schattenspiele, die ich mir wiederum in meinen Darstellungen zu nutzen mache.
mygraz: Du hast vor Deinem Studium eine HTL für Möbelbau gemacht und warst beim "CIS Züco-Designcontest - Styria's next Chair Designer" unter den besten Designern - wie sieht der Sessel der Zukunft aus?
Planrender/Andreas Weirer: Wie er aussieht kann ich persönlich nicht beurteilen. Nachdem ich schon in sehr vielen Architekturbüros und Immobilienagenturen vorstellig war, habe ich gesehen, dass sich ein Großteil der Geschäftsführer vom brachialen, schweren Prestigestuhl mit Kopfstütze getrennt hat. Das ergonomische und atmungsaktive Objekt, individuell einstellbar, welches unbedingt Mass- Costumized produziert werden kann, wird aktuell. Unbedingt nötig ist auch eine professionelle Beratung beim Kauf eines Stuhls, da die Sitzhaltung auch sehr mit der Produktivität am Arbeitsplatz zusammenhält.

mygraz: Als Dienstleister hat man mit vielen Klienten zu tun - gibt es ein besonders interessantes Erlebnis?
Planrender/Andreas Weirer: Ich hatte ein Projekt für eine Präsentation fertig zu stellen. Ich konnte mich ca. 60h durchgehend mit Unterstützung von diversen koffeinhaltigen Mitteln wach halten und sendete Sonntags um ca. 23:00 Uhr die Visualisierungen, welche schon drei geometrische Ergänzungen erfahren hatten. Da die Präsentation meines Klienten am Montag um 14:00 Uhr stattfand und meine Deadline um 08:00 angesetzt war, hatte ich mein Soll wieder erfüllt. Tags darauf um 04:00 morgens klingelte mein Telefon und mein Klient meinte es wäre ein extremer Grünstich in den Bildern. Nach langen Diskussionen und Änderungen per Remote-Desktop in der postproduction kamen wir noch immer nicht auf das gewünschte Ergebnis. Ich setzte mich ins Auto und fuhr ins 150km entfernte Klagenfurter Architekturbüro. Als ich ankam machte ich einen Blick auf den mindestens 9 Jahre alten Plotter. Auf dem Display blinkte “MAGENTA LEER“.
Seit damals habe ich meine Geschäftsbedingungen geändert und kalibriere aus oben genannten Gründen meine Monitore nach dem Druckmedium des Klienten. Vor allem schalte ich das Telefon zu nächtlicher Stunde ab. Man glaubt gar nicht zu welcher Uhrzeit Architekten und Consulter noch anrufen.
mygraz: Du hast 2001 100.000 Schilling im Radio gewonnen und in einer Aufsehen erregenden Aktion das ganze Geld "aus dem Fenster geworfen" und so an die Leute verteilt- würdest Du das heute auch noch/wieder machen?
Planrender/Andreas Weirer: Da wurde aber gut recherchiert. Das Geld war damals zweckgebunden. Es hieß: „Was würden Sie für 100.00 Schilling machen?“ Und ich meinte, ich würde für 100.000 Schilling 100.000 aus dem Fenster werfen, also Nullsummenspiel. Heute würde ich die Summe in freie Mitarbeiter investieren um ein wenig mehr Freizeit zu haben.
mygraz: Warum Graz?
Planrender/Andreas Weirer: Ich bin in Graz geboren und hier aufgewachsen. Mein Freundeskreis hat sich die letzten 20 Jahre nur wenig geändert. Ich habe hier meine Ausbildung gemacht und habe gelernt mit den ortsüblichen Gegebenheiten klarzukommen. Eigentlich hat sich die Frage des Verlassens der Stadt nie wirklich ernsthaft gestellt. Wenn man in meiner Branche in Firmen arbeiten möchte (ich denke hierbei an den internationale Animationsstudios) dann dauern die Verträge meistens 2-3 Jahre und man muss dann wieder das Land wechseln. Ich hatte es geschafft ohne direkten Kundenkontakt meine Geschäfte über das Netz abzuwickeln. Ich bin davon abgekommen, da viele Klienten gerne den persönlichen Kontakt suchen und glauben Ihren Geschäftspartner so besser einschätzen können. Außerdem entfällt ein immenser Aufwand über Email und Telefon durch das Erstgespräch.
mygraz: Was ist das beste an Graz?
Planrender/Andreas Weirer: Die Lage: 3h nach Piran ans Meer; 3h nach Schladming in den Schnee; 1h ins Thermenland zur Erholung; 2h nach Wien zum shoppen; 1,5h zum Wörthersee und so weiter…
mygraz: Bei welchen Orten in Graz würdest Du sagen: "Das ist mein Graz!"
Planrender/Andreas Weirer: In meiner spärlichen Freizeit begebe ich mich oft in diverse Kaffeehäuser und Restaurants. Hier kann ich privat sein, mich mit Freunden treffen und mich austauschen. Daher würde ich sagen „Mein Graz“ ist der Dietrichsteinplatz, danach der Gastgarten vom Café Zeit[los] und Abends das Kellergewölbe vom Thoma-Wirt und die Terasse des Buschenschank Schaar.
Andreas Weirer leitet das Architekturvisualisierungsbüro Planrender2009 wurde er für den ANIMAGO 2009/ BEST PHOTOREALISTIC STILL nominiertWeiters ist er als Studentassistent am Institut für Architektur und neue Medien an der TU Graz tätig.Planrender Architekturvisualiserungen

Der Haubentaucher. Sittich of Design. Werbung und Kreativität, Speis und Trank, Fußball und natürlich Graz.
Wolfgang Kühnelt ist "Der Haubentaucher." Weiters betreibt er mit Pretty Commercial ein Werbeunternehmen, schreibt für den Falter, ist Buchautor und Restaurantkritiker.
mygraz: "Der Haubentaucher", weil...?
Wolfgang Kühnelt: Die Geschichte begann mit dem Kulturmagazin Graz-derzeit, das ich 1998/99 leitete. Dann drehte uns der städtische Tourismus die Förderung ab und wir mussten das Heft aufgeben.
Die erfolgreichste Geschichte der letzten beiden Jahre war eine Fake-Story über Haubentaucher und ihre Bedrohung gewesen. So viele seltsame Reaktionen hatten wir sonst nie.
"Da es uns seit dem Jahr 2000 ohne Unterbrechung gibt, müssten wir eigentlich der älteste steirische Kulturblog sein."
Dann kam der Gedanke: Wir würden trotzdem weiter gern über (Pop-)Kultur in Graz/Wien berichten, haben aber kein Geld mehr - also online gehen. Und irgendwann fiel dann der Name, der sich als recht einzigartig erwiesen hat. Haubentaucher gilt ja oft auch als Schimpfwort für Ahnungslose - und diese kleine Selbstironie mögen wir an dem Namen. Die Idee war dann, unsere Lieblingssachen zu hypen und damit auch der steirischen Kulturlandschaft zuweilen einen kleinen Support zu erweisen. Da es uns seit dem Jahr 2000 ohne Unterbrechung gibt, müssten wir eigentlich der älteste steirische Kulturblog sein. Mittlerweile findet man uns auch auf Facebook und Twitter.
mygraz: Mit "Speis und Trank - im Gasthaus mit dem Haubentaucher" gibt es auch einen steirischen Beisl-Blog von Dir.
- Wo lässt es sich in Graz besonders gut essen? - Was ist Dein Gastro Geheimtipp für Graz?
Wolfgang Kühnelt: In Graz lässt es sich kaum wo besonders gut essen. Besser ein Auto nehmen und 20-30 Kilometer raus aufs Land fahren. Das ist auch die Kernthese meines Buches "Angerichtet", erschienen 2010 bei Leykam. "Ich persönlich mag den Greiner in der Grabenstraße, den Hofkeller - aber auch den Würstel Hannes in der Elisabethinergasse." Ansonsten hängt es von den Wünschen und dem Budget ab. Ich persönlich mag den Greiner in der Grabenstraße, den Hofkeller - aber auch den Würstel Hannes in der Elisabethinergasse. Geheimtipp ändert sich ständig- und das größte Problem der Grazer Gastronomie ist die fehlende Konstanz. Kaum empfehle ich was, verschlechtert es sich in Windeseile. Wird hoffentlich nicht an mir liegen. Jüngstes Beispiel: Siam Thai Imbiss. Von der Keplerstraße ein paar Straßen weiter übersiedelt. Preise fast verdoppelt. Qualität verschlechtert. Mahlzeit!
mygraz: Beim Haubentaucher findet sich auch recht viel über Fußball. Sturm oder GAK?
Wolfgang Kühnelt: GAK. Und Rayo Vallecano de Madrid.
mygraz: Wo kann man in Graz am besten Fußball spielen?
Wolfgang Kühnelt: Wenn man Kunstrasen mag: Landesturnhalle. Sonst schätze ich sehr den Körnerplatz bei der Schönaugasse, die Gruabn (trotz ihrer Vergangenheit) und den Platz in Gösting. Für reine Hobbykicks gibt es leider immer weniger freie Flächen, wo man ohne Miete spielen kann. Am ehesten rund um die Spielplätze (Theodor-Körner-Straße, Harmsdorfgasse) oder im Stadtpark bzw. im Augarten.

Graz. Sittich of Design.
mygraz: Mit Pretty Commercial betreibst Du auch ein Grazer Werbeunternehmen.
Welcher Werbeslogan würde zu Graz passen?
Wolfgang Kühnelt: Den bösesten Slogan hat Thomas Bernhard verfasst: "In Graz muss man nicht gewesen sein." Ich glaube aber, das stimmt heute nicht mehr. Gemeinsam mit der Agentur Taska hab ich eine neue Kampagne entwickelt, die heißt: "Graz. Sittich of Design."
"wie kreativ ist Graz wirklich?"
mygraz: Für die Zeitung Falter schreibst Du auch Artikel.
Welches Thema kommt in Graz Deiner Meinung zu wenig zur Geltung?
Wolfgang Kühnelt: Da gibt es vieles. Der schwindende öffentliche Raum. Jede Gstättn wird zugebaut. Der Niedergang der Architektur. Gerade größere Wohnbauten werden einfach oft seelenlos hingeklotzt. Diese Stadt hat außerhalb der Innenstadt keinen Stil mehr. Über Wirtschaft würde ich auch gern mehr lesen (z.b. wie kreativ ist Graz wirklich? wie geht es den vielen Kleinstunternehmen, die entstehen?). Über die Kärntnerstraße, die vielen Besucher einen ersten echt herben Eindruck vermittelt. Über die Situation der Kulturschaffenden und "Intellektuellen" (es gibt kaum mehr Buchverlage, es gibt kaum mehr Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt sind Korso und Frontal verstorben, ...). Und vor allem über junge Leute, die in Graz bleiben und hier was bewegen wollen, statt einfach so wie früher regelmäßig nach Wien abzuwandern.
mygraz: Warum Graz?
Wolfgang Kühnelt: Meine Großeltern waren alle aus Graz, ich bin hier teilweise aufgewachsen. Es hat mir immer schon gefallen, auch wenn es früher oft langweilig war im Vergleich zu Wien oder deutschen Großstädten. Seit 1986 lebe ich (mit einem Jahr time-out in Madrid) in Graz und finde es sehr angenehm hier. Übersichtlich, relativ viel Kultur, wenig Stress. Man kann mit dem Rad alle wichtigen Strecken erledigen, meine Kinder wachsen weder als abgebrühte Großstadtmenschen noch als naive Landeier auf. Mein gesamtes berufliches und privates Netzwerk ist hier, ich könnte eigentlich gar nicht mehr weg - und wenn, dann müsste ich wirklich komplett von vorne beginnen. Aber: Ich finde es wichtig, dass man auch zwischendurch was anderes sieht, um die blinden Flecken von Graz zu erkennen. Madrid zum Beispiel ist einfach eine große, arge, wahnsinnig lebendige Stadt. Außerdem möchte ich endlich mal nach Helsinki.
mygraz: Was ist das beste an Graz?
Wolfgang Kühnelt: Die Übersichtlichkeit und die grundsätzlich freundlichen kommunikativen Menschen. Schlecht finde ich übrigens die weit verbreitete Spießigkeit, die ganz schön dominant sein kann.
mygraz: Welcher Ort ist besonders „Dein Graz“? Wo fühlst Du Dich besonders wohl, wo bist Du gerne in Graz? Bei welchen Orten würdest Du sagen: "Das ist mein Graz!"?
Wolfgang Kühnelt: Aus alter Verbundenheit: Die Grottenbahn. Da war ich als Kind oft mit meinem Opa und heut geh ich mit meiner Jüngsten immer noch gern hin. Dann Muckis Weinkeller am Franziskanerplatz, auch wenn zuletzt die Küche nicht mehr gut war. Das Kaffee Weitzer. Mein Haus in St. Peter und mein neues Büro in der Färbergasse.

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